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LIVE Music Now
Oberrhein

Jahresbrief

Karlsruhe, im Juni 2016

Sehr verehrte liebe Freunde und Förderer von Live Music Now,

eines „meiner“ Häuser, in denen ich Konzerte mit unseren jungen Musikern organisiere, eine Pflegeeinrichtung mitten in Karlsruhe wird demnächst aufgelöst. Zweibettzimmer, schmale Gänge, immer wieder kleine Stufen – dies entspricht nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Einige Bewohner wurden bereits umquartiert. Entsprechend wird jetzt das Personal reduziert. Sechzig Pflegebedürftige sind noch übrig, nur ein Teil schafft es mit Mühe und Hilfe in die Kapelle, die anderen können zumindest dank Direktübertragung vom Bett aus unserem Konzert zuhören.

Sie, liebe Förderer, können sich nicht vorstellen, was solch ein Live Music Now-Konzert für diese betagten und recht vereinsamten Menschen bedeutet. Anfangs klagt noch eine, das Atmen fiele ihr so schwer, eine andere kollabiert leicht – doch kaum erklingen die ersten Töne, sind Sorgen und Schmerzen wie weg geweht. Jetzt gilt es nur noch der warmen Stimme unserer spanischen Sopranistin zu lauschen, ihren lebendigen Blicken zu folgen. Jeder einzelne fühlt sich unmittelbar angesprochen, als sei es ein Konzert nur für sie oder ihn allein. Eine Reise durch die Welt, Bekanntes und Unbekanntes. Die Pianistin hat zudem Kompositionen aus ihrer kubanischen Heimat mitgebracht, so fröhlich und lebendig, mal geheimnisvoll, dann wieder lebenslustig –für alle ist der Nachmittag ein absoluter Hochgenuss! Mit innigem Dank kommt auch der große Wunsch der Bewohner, sie bitte nicht zu vergessen und möglichst bald wieder zu kommen. Genau diese Menschen haben die Musik am Allernötigsten, es geht ihnen durch Mark und Bein, sie fühlen sich dann wieder lebendig, als winzig kleiner Teil unserer Gesellschaft, tanken auf und zehren noch tagelang von diesem Konzerterlebnis.

Die strahlenden Gesichter der Behinderten im Martinshaus gehen mir auch nicht mehr aus dem Sinn. Welche Fröhlichkeit, welche Begeisterung die Musik auslöst, ganz gleich ob von Bach, Mozart, Chopin oder Piazzolla, die Bewohner tanzen und dirigieren, lieben Rhythmisches, singen gerne mit, applaudieren heftig und bedanken sich im Anschluss auf ihre so ehrliche und direkte Art bei der jungen Geigerin und dem Pianisten. Im Konzertsaal wäre solch eine ausgelassene Stimmung nicht möglich, Freudenlaute, die uns Laien etwas unkontrolliert erscheinen mögen, sorgen hier nicht für Irritationen – im Gegenteil!

Yehudi Menuhin – wir feiern in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag – hätte seine wahre Freude an der Entfaltung und Verwirklichung seiner großartigen Idee: allein im Raum Karlsruhe und Baden-Baden profitieren 45 Einrichtungen mit ihren vielen Bewohnern von unserem Einsatz: Alte, Kranke, Behinderte, Flüchtlinge, auch Gefangene, Obdachlose, Kinder und Jugendliche in Sonderschulen, dazu ihre Lehrer, Betreuer, Ärzte – sie alle erleben, was die Musik bewegen und bewirken kann. Und unsere Stipendiaten sind mindestens ebenso dankbar für die Möglichkeit, Auftritte zu üben, verschiedene Programme auszuprobieren, Konzerterfahrungen unter erschwerten Bedingungen zu sammeln, natürlich auch ihr Taschengeld etwas aufzubessern, um vielleicht die Versicherung ihrer geliehenen Guarneri oder die Ausgaben für die Teilnahme an einem Wettbewerb finanzieren zu können.

Auf dem Arbeitsmarkt sind unsere Stipendiaten gefragt, da sie nicht nur ihre Instrumente sehr gut beherrschen, sondern zudem aufgeschlossen, sozial engagiert, nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen und einfach menschlich sind. Meist finden sie rasch ihren Weg ins Berufsleben. So ziehen jetzt viele weiter – zu unserem Bedauern aber auch zu unserer Freude. So zum Beispiel unsere hervorragende Sopranistin Isabel Segarra, die noch ein letztes dafür aber sehr vielversprechendes Abschiedskonzert gemeinsam mit ihrer Pianistin Madarys Morgan in der Durlacher Karlsburg am 6. Juli 2016 um 19:30 Uhr geben wird. Ein Konzert, das Sie nicht verpassen sollten!

Im Herbst bitten wir unsere Jury erneut, die besten und engagiertesten Musiker für unser Stipendienprogramm auszuwählen, um die entstandenen Lücken wieder aufzufüllen. Den neu aufgenommenen Ensembles möchten wir dann bald möglichst viele Auftrittschancen anbieten. Nur dank Ihrer so treuen Unterstützung wird uns dies weiterhin möglich sein. Bleiben Sie uns also weiterhin gewogen, jede Spende kommt direkt und ohne Abzug unserer Arbeit zugute.

Zu unserem Jubiläumskonzert im November hat Susanne Popp sich schon ein ganz besonderes Programm unter dem Motto „Die wundersame Klangvermehrung. Geburtstagskonzert für Yehudi Menuhin“ ausgedacht. Die Einladung mit näheren Angaben schicken wir Ihnen im Oktober zu. Wir alle freuen uns, Sie dort zu sehen.

Im Namen aller Mitglieder von LMN-Oberrhein danke ich Ihnen von Herzen für Ihre großzügige Unterstützung, für Ihre Freundschaft und Treue. Helfen Sie uns weiterhin, Menschen in benachteiligten Lebenssituationen Trost zu spenden und Freude durch die Musik zu bringen und zugleich junge, begabte Künstler zu fördern.
Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen,

Alice Dodd
Vorsitzende

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